Landesbetrieb NLWKN verbindet erfolgreich die Förderung des Biotopschutzes mit Vorgaben des Küstenschutzes
Das Küstenschutzsystem in Niedersachsen. Grafik: NLWKN
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Auszug aus dem am 01. Juni erschienenen Jahresbericht 2025 des NLWKN
Im nordwestlichen Ostfriesland realisiert der NLWKN seit 2025 ein zukunftsweisendes Projekt zur naturbasierten Transformation des Deichvorlands. Das etwa 23,4 Hektar große Gebiet ist ein ehemals künstlich aufgespültes Deichvorland südlich von Pilsum in der Krummhörn. Durch gezielte Geländeabsenkungen wird eine anthropogen, also von Menschen geschaffene in eine naturnahe Salzwiese umgestaltet. Das Vorhaben verbindet die Anforderungen der FFH-Richtlinie und des Masterplans Ems mit denen der Klimaanpassung und des Küsten- und Klimaschutzes. Die natürliche Entwicklung von Prielen sowie die Ansiedlung von Pionier- und Salzwiesenvegetation bestätigen die Wirksamkeit der um- und eingesetzten Maßnahmen.
Das im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gelegene Projektgebiet umfasst einen Deichvorlandbereich im äußeren Emsästuar zwischen der Leybucht und dem Rysumer Nacken am Dyksterkruger Heller. Historisch ist dieser Bereich durch Aufspülungen aus den Jahren 1972/73 geprägt, die primär als Schutzmaßnahme für den Hauptdeich dienten. Heute bildet das Vorland ein naturbasiertes Element des Küstenschutzsystems, welches durch ein durchgehendes Vorlanddeckwerk als Erosionsschutz gesichert ist und eine Deichfußentwässerung durch Gräben aufweist. …
Fachliche Grundlage für die Umgestaltung bildet der Vorlandmanagementplan für den Bereich der Deichacht Krummhörn. Dieser wurde in enger Abstimmung mit allen relevanten Stakeholdern entwickelt.
Ziel der Maßnahme ist, eine naturnahe, morphologische Dynamik mit einer salzwiesentypischen Prielentwicklung zu ermöglichen und die Etablierung der unteren Salzwiesenstadien zu fördern. Hierfür wird eine flächenhafte Absenkung des Geländes auf das Niveau des mittleren Tidehochwassers (MThw) durchgeführt sowie der Tideeinfluss dieser Flächen über Furten als Absenkungen im Deckwerk gezielt wiederhergestellt. Zusätzlich werden funktionslose Entwässerungsgräben verfüllt und lokale Feuchtbereiche geschaffen.
Parallel muss der Küstenschutz sichergestellt sein: Die Stabilität des Vorlands bleibt erhalten, und ein Sicherheitsabstand von 200 Metern zum Hauptdeichfuß garantiert weiterhin die notwendige Wellendämpfung und die Schutzfunktion für den Hauptdeich. …
Die bauliche Umsetzung erfolgt in drei Teilabschnitten, wobei zum Schutz der dort vorkommenden Vogelarten die Arbeiten außerhalb der Brutzeit durchgeführt werden. Im Jahr 2021/22 wurde bereits der erste Teilabschnitt mit einer Fläche von etwa 9,3 Hektar erfolgreich fertiggestellt. Ab 2024 folgte die Umsetzung der weiteren Abschnitte auf einer Fläche von rund 14 Hektar. …
m die Entwicklung der Projektfläche zu dokumentieren, führt der NLWKN ein gezieltes Monitoring durch. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich die erwartete positive morphologische und biologische Entwicklung rasch einstellt: Bereits in den ersten Jahren entwickeln sich naturnahe, fein untergliederte Prielstrukturen. In den neu geschaffenen Pionierzonen konnte ein biotoptypischer, fast flächendeckender Quellerbewuchs beobachtet werden. Der wiederhergestellte Tideeinfluss ermöglicht einen kontinuierlichen Sedimenteintrag in die Fläche und eine damit verbundene deutliche, räumlich variierende Sedimentation. Zwischen 2021/22 und 2025 wurde auf den Flächen ein Aufwuchs von 15 bis 20 Zentimeter durch das Monitoring festgestellt. In der Folge bilden sich bereits verschiedene Stadien der unteren Salzwiese aus, die durch die durch die Ansiedlung von Zeigerarten wie Andelrasen und Strandastern charakterisiert wird.
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Deichgeschütztes Gebiet, Haupt- und Schutzdeiche an der Festlandküste. Grafik: NLWKN
Herausgeber: Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Die Inanspruchnahme öffentlicher Saumbiotope ist ein ständiges Ärgernis
Die Abstände von den Gewässeroberkante an diesem Vorfluter werden auf den beiderseits gelegenen Ackerflächen nicht eingehalten. Das widerspricht den Vorgaben der Satzung des Unterhaltungsverbandes. An den schrägen Böschungen des Trapezprofils gibt es verengte Wuchszonen für Kulturgräser und Wasserschwaden. Fotos: BSHnatur, Juni 2026 vor der Hitzewelle
Oldenburg-Niedersachsen. In der NDR-Sendung Panorama 3 vom 16.06.2026 beklagte der Natur- und Artenschutzexperte Olaf von Drachenfels den dramatischen Schwund von Wegrainen bis hin zum Untergang ganzer Feldwege durch illegale Umwandlung in Ackerflächen. Dieses Phänomen beklagen Naturschutzverbände wie die BSH schon seit einem halben Jahrhundert, so das Naturschutzforum Deutschland (NaFor).
Zahlreiche Landwirte erweitern auf diese Weise eigenmächtig ihre Wirtschaftsflächen. Das Nachsehen haben Schmetterlinge und andere Insekten, weil ihnen damit unter anderem die Futterpflanzen für ihre Raupen und andere Larvenstadien genommen werden. In fast jeder Kommune finden sich Beispiele, in denen öffentliches Eigentum ungenehmigt umgepflügt und wichtige Raine und streifenartige Brachen an Wegen oder Fließgewässern entfernt werden. Auch Flurbereinigungen, die die Beseitigung alter Schaftriften legalisierten, trugen zur Vernichtung von wertvollen Lebensräumen entlang von Wegen bei.
Es ist dringend an der Zeit, so das Naturschutzforum, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, verbunden mit dem Appell, die im Eigentum der Gemeinden stehenden Streifen in Ruhe zu lassen und den Wildpflanzen und ihren Bewohnern die Lebensräume zurückzugeben.
Völlig unverständlich, aber typisch sei der Standpunkt des Samtgemeinde-Bürgermeisters Thomas Wolf im Panorama 3-Beitrag, der sich nicht mit den Landwirten anlegen, sondern gemeinsame Lösungen mit den betroffenen Landwirten suchen möchte. Hier zeigt sich, dass eine unerlaubte gesetzwidrige Nutzung fremden Eigentums geduldet wird. Das ist nicht hinzunehmen. Hinzu kommt, dass viele landwirtschaftliche Betriebe die in den Satzungen der Wasser- und Bodenverbände und dem Bundeswasserverbandsgesetz vorgeschrieben Abstände zu den Fließgewässern von 1m oder mehr zur Gewässeroberkante nicht beachten und oft bis an die Böschungskanten wirtschaften. Damit gehen auch hier kilometerlange Blühstreifen und Kinderstuben für Insekten und Bodenbrüter verloren.
oben links: Blick in ein Maisfeld. Vom umgepflügten Weg ist eine Eiche verblieben. Hier sind Wegränder nicht mehr vorhanden. Der fahrbahnbahnbegleitende Streifen wird von Weidegras eingenommen. oben rechts: Der öffentliche Wirtschaftsweg führt zwischen einem Weidezaun am Deich (links) und der Agrarfläche hindurch. Die Wegränder sind überwiegend in privater Nutzung, der Zaun für Wildtiere nur schwer zu überwinden. unten links: Statt des Uferrandstreifen eines Grabens wechselt die Böschungskante direkt in die Wirtschaftsfläche. Lediglich die Restflora aus Kulturgräsern, Labkraut und Brennnessel sind spärlich verblieben oder von umgepflügtem Boden überlagert. unten rechts: Das Feld mit reifer Gerste grenzt an einen öffentlichen Weg. Auch mit Unterstützung von Anwohnern wird der „Blühstreifen“ regelmäßig kurz gemäht, was dem ästhetischen Empfinden entsprechen mag, aber als Lebensraum für Insekten entfällt.
Das Naturschutzforum fordert alle Eigentümer öffentlicher Flächen, die von diesem Landschaftsvandalismus betroffen sind, auf, endlich dem illegalen Unterpflügen Einhalt zu gebieten und die Wiederherstellung der ehemaligen Biotope anzuordnen. Geschieht das weiterhin nicht, ist das ein Eingeständnis, dass eine auch ökologisch wichtige Berufsgruppe sich Rechte herausnimmt, für die die Bevölkerungsmehrheit mit Geldbußen belegt würde. Es bedarf der sofortigen Umsetzung von EU-weit gültigen Vorgaben, darunter die des Verschlechterungsverbots in der Wasserrahmenrichtlinie.
Auch der sogenannte “Niedersächsische Weg“ der niedersächsischen Landesregierung disqualifiziert sich hier. Während der vormalige Umweltminister und heutige Ministerpräsident Olaf Lies diese Vereinbarung als herausragende Kooperation zwischen dem Land Niedersachsen, dem Landvolk, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und zwei Naturschutzverbänden herausstellte (die anderen 13 anerkannten Verbände hatten sie nicht eingeladen), bleibt die bisherige Misere der Nutzung von Saumbiotopen unverändert oder sogar noch massiver bestehen.
Nach Auffassung des Naturschutzforum ist es dringend an der Zeit, gemeinsam mit ökologisch verantwortungsvoll handelnden Landvolkvertretern die Weg- und Gewässerraine der Natur zurückzugeben und eine Wildflora zuzulassen, damit hier der für die Artenvielfalt unverzichtbare Biotopverbund wieder entstehen kann.
Passend zum internationalen Tag des Waldes erschien jetzt das neue NaFor-BSH-Biotope Merkblatt „Das Herrenholz: Alte Eichen, seltene Arten und eine lange Geschichte“.
Hendrik Scheele, Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta, und Carolin Kemper, Betriebsdezernentin im Forstamt Ahlhorn, stellen auf zwölf Seiten, illustriert mit eindrucksvollen Fotos, die ökologische Bedeutung dieses historischen Waldgebietes im Nordkreis Vechta dar. Gefördert wurde der Druck des Merkblattes von der Stiftung für Umwelt- und Naturschutz im Landkreis Vechta. Es ist in der Printversion in der NaFor-BSH-Geschäftsstelle zu erhalten oder digital auf der Webseite der BSH herunterzuladen: www.bsh-natur.de/… merkblatt_30_biotope_herrenholz.
Titelseite des Merkblatts. Foto: BSHnatur
Die Bedeutung der Wälder – Daten zu Deutschland (Quelle: BMEL) Die Förderung gesunder Wälder ist gleichbedeutend mit der Förderung vitaler Lebensgemeinschaften. Vor allem im ländlichen Raum bilden sie das wirtschaftliche Rückgrat und stabilisieren durch ihre kühlende Wirkung und Bodenbefestigung die gesamte Region. Es wird immer deutlicher, dass sich Investitionen in den Waldschutz, die Wiederherstellung degradierter Flächen und eine nachhaltige Nutzung langfristig auszahlen. Der Verlust von Waldflächen hingegen kommt die Gesellschaft teuer zu stehen, da Bodenerosion, Überschwemmungen und der Verlust an Produktivität die kurzfristigen Gewinne aus Waldrodungen bei weitem übersteigen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit unseren Wäldern sichert somit eine stabile Wirtschaft für heutige und zukünftige Generationen gleichermaßen.
14 Fakten zum Wald:
1.) Mit einer Gesamtwaldfläche von rund 11,5 Mio. Hektar zählt Deutschland zu den waldreichsten Ländern der Europäischen Union nach Schweden, Finnland, Spanien und Frankreich (1.400 qm Wald pro Einwohner). Deutschland belegt hinsichtlich des Waldanteils an der Gesamtfläche (rund 33 %) aber nur einen mittleren Platz sowohl in der EU als auch in ganz Europa.
2.) Diegrößten Waldanteile (bezogen auf die Landesfläche) haben die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen mit jeweils rund 43 Prozent.
3.) Von der Gesamtwaldfläche Deutschlands befinden sich rund 48 Prozent im Privatbesitz. 29 Prozent der Waldfläche gehören den Bundesländern. Die Städte und Gemeinden besitzen 20 Prozent. Im Eigentum des Bundes befinden sich rund 3 Prozent der Waldfläche.
4.) Im deutschen Wald gibt es insgesamt rund 80 Baumarten und 120 Straucharten. Die vier häufigsten Baumarten sind die Nadelbäume Kiefer (22 %) und Fichte (21 %) sowie die Laubbäume Buche (17 %) und Eiche (12 %). Außerdem leben dort 140 verschiedene Wirbeltierarten wie Reh-, Rot- und Schwarzwild, Dachs und Fuchs.
5.) Die heimischen Laubbäume wie Rotbuchen und Eichen erreichen Maximalhöhen von rund 35 – 45 Meter. Fichten dagegen können bis zu 60 Meter hoch werden und sind damit die höchstwachsenden heimischen Bäume Mitteleuropas. Der höchste Baum Deutschlands ist aber ein „Exot“, nämlich eine Douglasie im Stadtwald von Freiburg mit fast 68 Meter Höhe („Waldtraut vom Mühlwald“). Zum Vergleich: Die Höhe des Brandenburger Tores in Berlin beträgt gut 20 Meter, die Quadriga mit ihrer Spitze erreicht eine Höhe von etwa 26 Meter.
6.) DerSchutz der Wälder spielt in Deutschland eine wichtige Rolle. So sind 47 Prozent der Wälder ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete, 38 Prozent sind Naturparks. Intensivere Schutzbestimmungen und damit Nutzungseinschränkungen wirken sich in Wäldern aus, die zu Natura 2000-Gebieten (24 %), Naturschutzgebieten (6 %), Biosphärenreservaten (4 %) oder Nationalparks (1 %) gehören.
7.) Jedes Jahr wachsen in den deutschen Wäldern rund 101 Mio. bis 127 Mio. Kubikmeter Holz nach. Dies entspricht mindestens vierzigmal dem Volumen der Cheops-Pyramide. Davon geerntet werden rund 73 Mio. Kubikmeter. Damit wird in Deutschland nach wie vor weniger Holz geerntet als im Durchschnitt pro Jahr nachwächst. Das ist ein Indiz für die nachhaltige Waldbewirtschaftung hierzulande.
8.) Mehr als 75 Prozent der deutschen Gesamtwaldfläche werden nach den strengen Kriterien unabhängiger Forstzertifikate, wie dem PEFC- und FSC-Siegel bewirtschaftet. Sie gelten als Nachweis einer nachhaltigen Forstbewirtschaftung, die die Grundlage für die positive Entwicklung der deutschen Wälder ist. Mit einer zertifizierten Waldfläche von zirka 8,8 Millionen Hektar (Stand: 2026) ist PEFC national (aber auch international) das meistverbreitete Zertifizierungssystem. Nach FSC-Standard sind in Deutschland aktuell knapp 1,2 Millionen Hektar Wald zertifiziert, d.h. rund 11 Prozent der Fläche (Stand: 2024).
9.) Der deutsche Wald bindet jedes Jahr rund 127 Mio. Tonnen Kohlenstoff und ist damit ein wertvoller Klimaschützer. Damit kompensiert er rund 14 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland.
10.) Gleichzeitig ist der Wald ein Opfer des Klimawandels: Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) hat mit seinen Experten aus Praxis, Wissenschaft und Verwaltung eine ökonomische Zwischenbilanz für die relevantesten Waldschäden von 2018 bis 2020 gezogen. Die Extremwetterereignisse haben demnach zwischen 2018 und 2020 bundesweit Schäden in Höhe von rund 13 Mrd. Euro verursacht. Die Folgen des Klimawandels würden den gesamten deutschen Wald und seine vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft gefährden.
11.)3,6 Milliarden Waldbesuche ereignen sich laut einer Schätzung jedes Jahr. Jeder Deutsche geht damit statistisch gesehen 40 Mal jährlich in den Wald.
12.) Im Jahr 2024 blieb die Zahl an geschlagenem Holz auf hohem Niveau: 72,6 Millionen Kubikmeter Holz wurden in deutschen Wäldern insgesamt geschlagen. Das sind laut dem Statistischen Bundesamt Wiesbaden etwas weniger als im Rekordjahr 2021 (81 Mio.) – aber mehr als im Jahr 2023 (70,6 Mio.).
Das Aufkommen an Schadholz für das Jahr 2024 fiel im Vergleich zum Vorjahr um gut 29,4 Prozent von 38,7 auf 27,3 Millionen Kubikmeter. Auch wenn deutlich weniger Schadholzaufkommen zu beklagen ist als im Rekordjahr 2020 (60,1 Mio. Kubikmeter), so blieb das Aufkommen in diesem Jahr, wie schon in den vergangenen Jahren zuvor, sehr hoch. Knapp die Hälfte (44,7%) des gesamten Holzeinschlags wurde im Jahr 2024 durch Waldschäden verursacht. Vor allem Insekten wie der Borkenkäfer sorgen dafür, dass Bäume krank werden und vorzeitig gefällt werden müssen. Der Anteil des insektenbedingt geschlagenen Schadholzes am gesamten Schadholz lag 2024 bei rund 61,5%. Aber auch klimatische Bedingungen wie Trockenheit und Stürme tragen zu dem hohen Schadholz-Anteil bei. So lag dieser Anteil für das Jahr 2024 bei rund 12,8%.
13.) 1.805 Insektenarten bilden ein wesentliches Rückgrat unserer Waldnatur. Leider sind die Populationen auch in unseren Wäldern rückläufig. Das haben die Technischen Universtäten Darmstadt und München für den Zeitraum 2008 bis 2017 in einer Studie erforscht.
14.) Der Wolf ist zurück im deutschen Wald: In Deutschland leben 219 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Europaweit sind die Wolfsbestände in den vergangenen Jahren stark angestiegen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. Dies teilte das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat am 05.03.2026 mit.
Auf der diesjährigen analytica bietet die Messe München – in Kooperation mit dem VBIO – jungen Menschen und Stellensuchenden die Möglichkeit, im Rahmen des Jobday@analytica ihre individuelle Karriere zu planen. Dafür steht über den VBIO ein exklusives, kostenloses Ganztagesticket für den 27. März zur Verfügung, das für den Besuch der gesamten Messe gilt.
Alle sind herzlich eingeladen am Freitag den 27. März 2026 in der Zeit von 10:30 – 15:00 Uhr im Forum Laboratory & Analysis, Halle B1 dabei zu sein und sich zu folgenden Themen zu informieren:
Welche Berufsfelder gibt es in der Labor-, Chemie-, Pharma- und Life-Science-Branche?
Welche Unternehmen haben offene Stellen und stellen sich vor?
Wie bewerbe ich mich richtig?
Was muss ich als Bewerber im Bewerbungsgespräch beachten?
Für Interessierte gibt es zusätzlich zahlreiche Möglichkeiten, die Laborwelt live zu erleben. Unter anderem werden in der Sonderschau „Live Lab“ tägliche Routineprozesse in einem eigens dafür aufgebauten Labor praktisch vermittelt. Wer einen anschaulichen Umgang mit Gefahrenstoffen im Labor erleben möchte, erhält im Rahmen von „explosiven Live Vorträgen“ im Forum Lab Safety (B1.537) wertvolle Tipps zur Unfallvermeidung im Labor.
Daneben zeigen über 1.100 Aussteller aus 42 Ländern in fünf Messehallen ihre Innovationen.
Naturschutzforum lehnt den Entwurf eines Infrastruktur-Zukunftsgesetzes ab
Die von bundespolitischer Seite geplante Gesetzesänderung zur Verfahrensbeschleunigung kritisiert das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) als zu einseitig und in wesentlichen Aspekten fachlich unzutreffend. Mit dem Gesetzesentwurf soll das Klagerecht der Naturschutzverbände als vermeintliche Hauptursache von Verzögerungen eingeschränkt werden. Die Bundesregierung möchte damit die Umsetzung von Bauprojekten und Infrastrukturmaßnahmen beschleunigen.
Dem stehen nach Auffassung des Naturschutzforums Deutschland international verbindliche Konventionen und Artenschutzabkommen entgegen. Deutschland hat die damit eingegangenen Verpflichtungen zum Beispiel im Sinne der Bestandssicherung bedrohter Pflanzen und Tiere sowie der Sicherung von Zugwegen für wandernde Tierarten zu respektieren. Eine Verschlechterung der ökologischen Situation in Natur und Landschaft ist nicht hinnehmbar, so das Naturschutzforum.
Die Ursachen für bauliche Verzögerungen sind zu einem überwiegenden Anteil zu suchen in den unzulänglichen personellen, materiellen und fachlichen Erfordernissen von Genehmigungsbehörden, komplizierten bau- und ingenieurtechnischen Vorgaben und – oft berechtigten – Einwänden von Anliegern. Bei dem von Befürwortern des Gesetzes zitierten langjährigen Bahnprojekt in Calw handelt es sich laut Naturschutzforum Deutschland um einen Einzelfall, der nicht allein dem Naturschutz angelastet werden kann.
Wenn Infrastrukturvorhaben nun den Status des „überragenden öffentlichen Interesses“ erhalten, werden die Ergebnisse von Abwägungen automatisch zu Lasten der Belange des Umwelt- und Naturschutzes vorgegeben. Angesichts der Bedeutung des Erhalts von intakten Landschaften als existenzielle Lebensgrundlagen des Menschen und seiner belebten Umwelt hält das Naturschutzforum dies für nicht tragbar.
Das Naturschutzforum Deutschland warnt deshalb davor, zugunsten einer wirtschaftlichen Mobilisierung die Lebensqualität zukünftiger Generationen in einer intakten natürlichen Umwelt als nachrangig einzustufen.
Die Online-Webinarreihe „Faszination Biologie“ des VBIO wird fortgeführt am 24.03.2026 von 17.00 bis 19.00 Uhr
Hummeln (Bombus) bauen im Sommer kleine Völker auf und verfügen über besondere Fähigkeiten zur Thermoregulation. Wild- und Nutzpflanzen können so selbst bei kühlem Wetter effektiv bestäubt werden und auf diese Weise konnten sich Hummeln sogar kalte Hochgebirgslagen und arktische Regionen erschließen.
Hummeln sind auf durchgängigen Blütenreichtum angewiesen. Aber die fortschreitende Vernichtung blütenreicher Lebensräume und der Klimawandel gefährden viele Hummelarten extrem.
Der reich bebilderte Vortrag zeigt Hotspots der Hummelvielfalt in Europa – von Korsika bis Lappland. Faszinierende Anpassungen der Hummeln an Blütenpflanzen und ihre Lebenszyklen werden veranschaulicht und die Ursachen für die teils dramatischen Rückgänge sowie wertvolle Refugien werden beschrieben.
Mitglieder des VBIO sowie Schüler/-innen und Student/-innen nehmen kostenfrei teil. Für Noch-Nichtmitglieder wird ein Teilnahmebeitrag von 5 € erhoben.
Bis zum 30. April 2026 können Vorschläge eingereicht werden
Potsdam. Mit dem Naturschutzpreis ehrt die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg jedes Jahr richtungsweisende Leistungen im Bereich des aktiven, praktischen Naturschutzes, der nachhaltigen Landnutzung oder eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Darüber hinaus prämiert sie auch wissenschaftliche, planerische oder wirtschaftliche Leistungen.
Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt: „Die Verleihung des Brandenburger Naturschutzpreises gehört zu unseren schönsten Aufgaben. Hier lernen wir so beeindruckende Projekte kennen, dass ich schon jetzt sehr gespannt bin auf die diesjährigen Einsendungen. Ich freue mich, dass dieser Wettbewerb das vielfältige und so wichtige Engagement in unserem Land sichtbar macht und ermutige jeden, eine Bewerbung oder einen Vorschlag einzureichen.“
Für den Brandenburger Naturschutzpreis können einzelne Personen, Verbände, Vereine, oder Unternehmen sowie Schulklassen, Kindergruppen oder Arbeitsgemeinschaften vorgeschlagen werden beziehungsweise sich selbst bewerben. Der Preis richtet sich auch an Menschen, die nicht in Brandenburg leben, sich jedoch in besonderem Maße um den Schutz von Natur und Landschaft zwischen Elbe und Oder verdient gemacht haben.
2025 wurde die vom STATTwerke e.V. getragene „Waldgärtnerei und Waldgartensysteme Kyritz“ mit dem Brandenburger Naturschutzpreis ausgezeichnet. Das Projekt zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen und zukunftsfähig gestaltet werden können. In seiner Komplexität und zudem als Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist die Waldgärtnerei im Landkreis Ostprignitz-Ruppin deutschlandweit einzigartig und besitzt Modellcharakter.
Den Nachwuchspreis erhielt (fast) ein gesamtes Dorf im Landkreis Dahme-Spreewald: Nahezu jede Familie in Landwehr, einem Gemeindeteil von Golßen, ist im Verein Landwehr – Am Bergl e.V. vertreten und engagiert sich, damit es vor ihrer Haustür bunter und artenreicher wird. Die Jury beeindruckte besonders, dass hier alle generationenübergreifend Verantwortung für ihren Ort übernehmen.
Zudem verlieh die Stiftung anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums im vergangenen Jahr erstmals einen Ehren-Naturschutzpreis: Ralf Schwarz setzt sich seit über 40 Jahren unermüdlich für den Erhalt der Natur ein. Dabei versteht er es immer wieder, unterschiedliche Interessengruppen zu berücksichtigen und nimmt eine wichtige Mittlerrolle ein.
Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Seit 1995 betreut die Stiftung die Ersatzzahlung im Land Brandenburg. 1.300 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Landwirtschaftsbetriebe, Kirchengemeinden oder Privatpersonen möglich gemacht oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.
Weitere Informationen: Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
Martin Görner, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. (AAT), verstorben
Jena-Ranis. Mit seiner „Schaffenskraft für den Naturschutz im Allgemeinen, die Zoologie im Besonderen und die Ornithologie im Speziellen“ (Prof. Helmut Witticke, schon 2003) wirkte Martin Görner weit über Thüringen hinaus. Denn als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. vertrat er den ehrenamtlichen Naturschutz auch im Bundesdachverband Naturschutzforum Deutschland e.V. (NaFor).
Das Engagement des nun im Dezember 2025 Verstorbenen würdigend, dankt das NaFor-Präsidium auch seiner Familie und dem zugehörigen Team des vom AAT errichteten Artenschutzzentrums. Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus die Unterstützung und Finanzierung der jährlich auf Initiative von Martin Görner federführend veranstalteten internationalen Naturschutztagungen „Zoologischer und botanischer Artenschutz in Mitteleuropa“.
Nun gelte es, so das Naturschutzforum Deutschland, diese gute Kooperation im Sinne der gemeinsamen Sache und im Andenken an Martin Görner fortzusetzen.
Wir befinden uns mitten in der Sturmflutsaison. Letzten Samstag ist in Brake ein Stück Uferbefestigung an der Weser abgebrochen. Die Wesermarsch ist laut neuem Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft hinter der Stadt Wilhelmshaven der am meisten vom Klimawandel bedrohte Landkreis in Deutschland. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Vortrag „Die Weser – Lebensraum und Wasserstraße“ unbequeme Aktualität. Zu diesem lädt das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung am Mittwoch 21. Januar um 19 Uhr zum Segelclub Nordenham ein.
Die Weser trägt wesentlich zu unserer regionalen Lebensqualität bei. Auf der anderen Seite fordern wir ihre Qualitäten durch immer neue Vertiefungen heraus. Gert Rosenbohm ist seit etlichen Jahrzehnten ein ausgemachter Kenner der Weser. Er ist aktiver Freizeitfischer im SFV Brake und Mitglied im Braker Segelverein und setzt sich beim BUND Wesermarsch und dem Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung ein. Er wird berichten, was der Fluss in der Vergangenheit hat hinnehmen müssen: Naturereignisse veränderten Fluss und Landschaft. Das frühe Einwirken der Menschen auf den Fluss führte zu besonders umfangreichen und bis heute nicht endenden negativen Auswirkungen: Erosion, Versandung, Vertiefung, Strömung, Tidenhub, Versalzung, Verschlickung, Verschmutzung. Diese stehen unmittelbar in Zusammenhang mit der Ökologie des Flusses, dem Artenschwund, der Lebensqualität der Bevölkerung und besonders deren zunehmender Gefährdung durch Sturmfluten. Eine weitere Vertiefung der Weser würde alle genannten Probleme vergrößern. Die dadurch kalkulierten Zugewinne der Wirtschaft sind spekulativ. Eine Vertiefung würde auch gegen die gesetzlichen EU-Vorgaben für das Gewässer Weser verstoßen.
Gert Rosenbohm betrachtet alle diese Punkte im Detail und erläutert die Wirkungszusammenhänge. Er bezieht sich auf aktuelle, öffentlich zugängliche, wissenschaftliche Erkenntnisse und seine eigenen Beobachtungen seit 1960. Das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung heißt dazu alle Interessierten und insbesondere alle Aktiven im Wassersport herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei. Der Segelclub bietet Getränke zum Erwerb an.
Hintergrundinformation: Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der ERGO Versicherung